ZIV will Antidumping-Maßnahmen auf Komponenten prüfen lassen
bis 62,1 %Antidumping-Höchstsatz laut ZIV
Das Wichtigste in Kürze
- Der ZIV hat am 7. Oktober 2026 ein Positionspapier zu China als „systemischem Wettbewerber“ der Fahrradindustrie veröffentlicht.
- Der Verband fordert, Antidumping-Maßnahmen auf Komponenten auszuweiten, und regt eine Herkunftskennzeichnung nach dem Muster „Made in Europe“ an.
- Der ZIV ist ein Branchenverband; seine Zahlen und Forderungen sind Verbandspositionen, keine amtlichen Feststellungen.
Der Branchenverband ZIV will, dass die EU prüft, ihre Antidumping-Maßnahmen gegen China auf Komponenten auszudehnen. Das steht in einem Positionspapier, das der Verband am 7. Oktober 2026 veröffentlicht hat. Anlass ist ein Gespräch von EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič in Peking und ein EU-Gipfel in der kommenden Woche.
Der ZIV vertritt nach eigenen Angaben rund 140 Unternehmen der Fahrradbranche und ist damit Interessenvertreter, nicht Schiedsrichter. Das Papier beschreibt China als „systemischen Wettbewerber“: Das Land baue jährlich 70 bis 80 Millionen Fahrräder, Deutschland etwa 2 Millionen, wie der Verband aus eigenen Marktdaten ableitet. Europäische Hersteller seien bei Rahmen und Komponenten stark auf chinesische Zulieferer angewiesen. Motoren und Akkus würden laut EU-Kommission teils zu nicht marktkonformen Preisen angeboten.
Zölle gibt es schon, Lücken auch#
Der ZIV verweist auf bestehende Abgaben: Auf E-Bikes aus China gälten Antidumpingzölle von bis zu 62,1 Prozent und Ausgleichszölle von bis zu 17,2 Prozent, genannt werden die Durchführungsverordnung (EU) 2019/72 und die Durchführungsverordnung (EU) 2019/73. Den Verordnungstext konnten wir nicht abrufen; die Sätze stehen hier deshalb als Angaben des Verbands. Wegen komplexer Lieferketten würden die Zölle teilweise umgangen, schreibt der ZIV. Er fordert deshalb, eine Ausweitung auf Komponentenebene zu prüfen, dazu technische Regulierung weiterzuentwickeln und Bündnisse mit anderen europäischen Verbänden zu schmieden.
Ein zweiter Vorschlag zielt auf Kaufende: Eine Herkunftskennzeichnung oder ein „Made in Europe“-Ansatz könne Qualität und Klimavorteile sichtbar machen. Der Verband beziffert den CO₂-Fußabdruck chinesischer Produktion auf 52 bis 66 Prozent über dem europäischer Fertigung und stützt sich dabei auf eine Studie von 2023, die wir nicht geprüft haben.
Was das Papier offenlässt#
Wie sich Zölle auf Komponenten auf Ladenpreise auswirken würden, sagt das Papier nicht. Der Verband schreibt lediglich, es gehe nicht darum, Auswahl für Verbraucherinnen und Verbraucher einzuschränken. Wer vorab einordnen will, welche Motoren in aktuellen Modellen stecken, findet die Antriebsanbieter der Modelldatenbank alphabetisch von AEG bis Yamaha; zu den Systemfamilien hilft der Antriebsüberblick. Ob Brüssel die Forderung aufgreift, wird sich nach dem Gipfel zeigen; ein Termin für eine Entscheidung zu Komponenten ist in den Quellen nicht genannt.
Quellen und Datenstand (4)
Quellen
- ZIV, Pressemitteilung „Faire Wettbewerbsbedingungen für die globale Fahrradindustrie“ (07.10.2026)
- ZIV, Positionspapier „China als systemischer Wettbewerber der Fahrradindustrie“ (August 2026)
- Durchführungsverordnung (EU) 2019/72, Antidumpingzoll auf E-Bikes aus China (EUR-Lex, vom ZIV genannt)
- Durchführungsverordnung (EU) 2019/73, Ausgleichszoll auf E-Bikes aus China (EUR-Lex, vom ZIV genannt)



