Radverkehr im Bundeshaushalt 2027: Wofür der Bund zahlt

100 Mio. €Radwege an Bundesstraßen 2027 (Entwurf)
Das Wichtigste in Kürze
- Der Bundestag nennt für 2027 im Entwurf des Verkehrsetats 100 Millionen Euro für Radwege an Bundesstraßen, wie im laufenden Jahr.
- Die Radverkehrsförderung des Bundes läuft über mehrere Töpfe; im Klima- und Transformationsfonds sind laut Bundesregierung für die 21. Wahlperiode rund 1,93 Milliarden Euro eingeplant.
- Die Summe von 544 Millionen Euro für 2027 und die Einzelposten, die weniger bekommen sollen, stammen von Zukunft Fahrrad und sind nicht am Haushaltsplan selbst geprüft.
Inhalt
Wie viel Geld plant der Bund 2027 für den Radverkehr, und woher kommt es? Im Regierungsentwurf stehen für Radwege an Bundesstraßen 100 Millionen Euro, so berichtet es der Bundestag. Der Wirtschaftsverband Zukunft Fahrrad rechnet für den gesamten Radverkehr mit 544 Millionen Euro und damit knapp zehn Prozent weniger als zuvor. Beschlossen ist das nicht: Es ist ein Entwurf, den der Bundestag noch ändern kann.
Aus welchen Töpfen der Bund den Radverkehr bezahlt#
Es gibt nicht den einen Titel „Radverkehr“. Der Verkehrsetat, der Einzelplan 12, sieht 2027 nach Angaben des Bundestags insgesamt 26,43 Milliarden Euro vor, rund 1,47 Milliarden weniger als 2026. Darin stehen 100 Millionen Euro für Radwege an Bundesstraßen; im laufenden Jahr sind es ebenfalls 100 Millionen. Die Bundesregierung selbst beschreibt die Förderung zusätzlich über den Klima- und Transformationsfonds (KTF). Dort sind für die 21. Wahlperiode rund 1,93 Milliarden Euro eingeplant, die sich so verteilen:
| Programm im KTF | Mittel in der 21. Wahlperiode |
|---|---|
| Sonderprogramm „Stadt und Land“ (Finanzhilfen an die Länder) | rund 1,22 Milliarden Euro |
| Zuweisungen an die Länder für Radschnellwege | rund 349 Millionen Euro |
| Förderung der aktiven Mobilität | rund 306 Millionen Euro |
| Fahrradparkhäuser an Bahnhöfen | rund 49 Millionen Euro |
Quelle: Bundesregierung laut Bundestag, Meldung vom 03.06.2026. Es sind Planwerte für die ganze Wahlperiode, keine Jahresbeträge für 2027.
Dazu kommen laut derselben Meldung Mittel der Nationalen Klimaschutzinitiative, in der Radverkehrsmaßnahmen Teil einzelner Programme sein können, und in der mittelfristigen Finanzplanung bis 2029 insgesamt 600 Millionen Euro für Radwege an Bundesstraßen. Wie der Bund Radschnellwege rechtlich und im Detail fördert, steht im Hintergrund zu den Radschnellwegen.
Was sich 2027 laut Zukunft Fahrrad ändert#
Zukunft Fahrrad vertritt mehr als 100 Unternehmen der Fahrradbranche und ist damit eine Interessenvertretung. Die folgenden Zahlen stammen aus dem Statement des Verbands vom 7. September 2026; am Haushaltsplan selbst konnte diese Redaktion sie nicht nachprüfen.
- Gesamtsumme: Für den Radverkehr sieht der Entwurf laut Verband 544 Millionen Euro vor, fast zehn Prozent weniger.
- „Stadt und Land“: Der Titel für kommunale Radverkehrsprojekte soll von 281 auf 276 Millionen Euro sinken. Wegen steigender Baukosten wiege das mehr, als die Differenz vermuten lasse, argumentiert der Verband.
- Radwege an Bundesstraßen: Die Absenkung von 120 auf 100 Millionen Euro werde fortgeschrieben. Die 100 Millionen für 2027 bestätigt der Bundestag.
- Radschnellwege und Radwege an Bundeswasserstraßen: Die Ansätze sinken zusammen um rund 43 Millionen Euro, weil bisher weniger abgerufen wurde.
- Fahrradparkhäuser an Bahnhöfen: Für neue Projekte sind laut Verband keine Mittel eingeplant.
- Nationale Klimaschutzinitiative: aktive Mobilität 2 Millionen Euro weniger, modellhafte Radverkehrsprojekte 5 Millionen Euro weniger, gewerbliche E-Lastenräder 4 Millionen Euro weniger.
Pendeln mit dem Pedelec: Was die Bundeszahlen nicht zeigen#
Für Menschen, die mit dem Pedelec pendeln, sind die Bundeszahlen nur ein Teil des Bildes. „Stadt und Land“ und die Radschnellwege laufen nach Angaben der Bundesregierung als Finanzhilfen an die Länder; welcher Weg vor Ort gebaut wird, lässt sich aus den Bundestiteln nicht ablesen. Länderzahlen zu Förderung, Unfällen und Diebstahl sammeln die Karten je Bundesland. Wie viele Menschen schon heute mit dem Rad zur Arbeit fahren, beschreibt das Datenstück zum Pendeln.
Der ADFC misst den Stand am Ziel, das die Bundesregierung im Nationalen Radverkehrsplan selbst gesetzt hat. Nach seiner Auswertung der Halbzeitbilanz vom Juni 2026 stehen für den systematischen Ausbau flächendeckender Radwegenetze derzeit 14 Euro pro Kopf und Jahr zur Verfügung, vorgesehen waren 30 Euro. Die gefahrenen Radkilometer sind seit 2017 laut ADFC nur um 5,4 Prozent gestiegen; angestrebt ist eine Verdoppelung bis 2030. Der ADFC ist ein Interessenverband und fordert unter anderem eine „Fahrradmilliarde“ vom Bund.
Warum der Bund bei den Finanzhilfen enge Grenzen sieht#
Die Bundesregierung hält steigende Finanzhilfen für den Radverkehr aus einem rechtlichen Grund für ausgeschlossen. Artikel 104b Absatz 2 Satz 7 Grundgesetz verlangt, Finanzhilfen des Bundes an die Länder „mit fallenden Jahresbeträgen“ zu gestalten. Eine Dynamisierung, also eine automatisch wachsende Förderung, ist deshalb nach ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage nicht vereinbar. Zugleich verweist sie auf die 1,93 Milliarden Euro im KTF und die 600 Millionen Euro für Radwege an Bundesstraßen bis 2029.
Ob der Bundestag den Entwurf bei den Radverkehrstiteln ändert, zeigt erst das beschlossene Haushaltsgesetz. Der Verband erinnert daran, dass die Regierungsfraktionen die Mittel für Radwege an Bundesstraßen in den Haushaltsberatungen 2025 in letzter Sekunde von 120 auf 100 Millionen Euro gekürzt hätten.
Quellen und Datenstand (5)
Quellen
- Deutscher Bundestag, hib 651/2026: Haushalt 2027, Verkehr bleibt größter Investitionsetat (19.08.2026, abgerufen 08.10.2026)
- Deutscher Bundestag, hib 444/2026: Dynamisierung von Finanzhilfen für die Radverkehrsförderung (03.06.2026, abgerufen 08.10.2026)
- Zukunft Fahrrad, Statement zum Haushaltsentwurf 2027 (07.09.2026, abgerufen 08.10.2026)
- ADFC, Pressemitteilung zur Halbzeitbilanz des Nationalen Radverkehrsplans (Nr. 17/26, 23.06.2026, abgerufen 08.10.2026)
- Art. 104b Grundgesetz, Finanzhilfen des Bundes (gesetze-im-internet.de, abgerufen 08.10.2026)



